Überblick

Das NABEG 2.0 führt zum 1. Oktober 2021 ein einheitliches Redispatch-Regime (‚Redispatch 2.0‘) ein. Konkret bedeutet dies, dass zukünftig alle Erzeugungs- und Speicheranlagen mit einer Kapazität von mehr als 100 kW, inklusive EE-Anlagen und KWK-Anlagen, sowie Anlagen mit mehr als 30 kW, die jederzeit durch einen Netzbetreiber fernsteuerbar sind, in einen planwertbasierten Redispatch einbezogen werden. Dabei soll im Unterschied zu den bisherigen Einspeisemanagement-Maßnahmen ein bilanzieller sowie finanzieller Ausgleich erfolgen. Um diese Vorgaben umzusetzen, müssen die Netzbetreiber umfangreiche Koordinierungsaufgaben erfüllen und sind zur Umsetzung der dafür erforderlichen Datenaustausche verpflichtet. Die Regelungen des NABEG 2.0 sind potenziell für alle 890 Verteilnetzbetreiber in Deutschland von großer Bedeutung.

Für alle Netzbetreiber, insbesondere aber für kleine Netzbetreiber, ist die Teilnahme am zukünftigen Redispatch-Prozess eine Herausforderung – wenn es beispielsweise darum geht, interne Prozesse zur Engpassprognose zu implementieren oder sich zwischen Netzbetreibern auf Maßnahmen zur Umsetzung zu einigen.

Deshalb haben TransnetBW und Netze BW bereits frühzeitig das Projekt „DA/RE – Die Netzsicherheitsinitiative BW“ initiiert. DA/RE steht für „DAtenaustausch/REdispatch“. Der Name gibt also das Ziel vor. DA/RE bietet eine Plattformlösung, die Netzbetreiber weitreichend unterstützt, sowohl bei den Informationspflichten als auch bei der Maßnahmenkoordinierung. DA/RE organisiert die vertikale Abstimmung und den dafür erforderlichen Datenaustausch zwischen den Netzbetreibern und mit den Einsatzverantwortlichen der Erzeugungsanlagen. DA/RE wählt dazu die effizientesten Anlagen zur Lösung der von den Netzbetreibern prognostizierten Engpässe aus und ermöglicht eine effektiv koordinierte Aktivierung der Redispatch-Maßnahmen.

Der Fokus des DA/RE-Projekts liegt derzeit auf dem Aufbau der Plattform für die Regelzone der TransnetBW; grundsätzlich ist das Konzept jedoch skalierbar und könnte auch räumlich erweitert werden. Alle teilnehmenden Netzbetreiber haben dann die Möglichkeit, pünktlich zum 1. Oktober 2021 die gesetzlichen Anforderungen an einen planwertbasierten Redispatch zu erfüllen.

DA/RE, Connect+ und das Projekt Redispatch 2.0 beim BDEW

Neben DA/RE laufen weitere Projekte zur Umstellung des Redispatch. Zum einen das ebenfalls von Netzbetreibern initiierte Projekt Connect+, zum anderen das vom BDEW aufgelegte Projekt Redispatch 2.0. Auch in diese bringen sich die DA/RE-Initiatoren TransnetBW und Netze BW aktiv ein. So ist sichergestellt, dass alle Prozesse, Schnittstellen und Formate in DA/RE im Einklang mit den nationalen Entwicklungen und Beschlüssen zur Umsetzung des NABEG 2.0 stehen. Die Arbeitsgruppen im BDEW entwickeln die Prozesse für den Redispatch 2.0 und geben somit die Rahmenbedingungen für technische Umsetzungsprojekte vor.

Connect+ ist ein gemeinsames Projekt der vier Übertragungsnetzbetreiber und siebzehn Verteilnetzbetreiber und läuft seit Juni 2019. Damit sollen deutschlandweit einheitliche Regeln und Formate zum Datenaustausch für den Redispatch festgelegt werden. Es spezifiziert unter anderem ein Post-Verteilkonzept (PVK) für den Datenaustausch zwischen Marktteilnehmern und Netzbetreibern und ein Netzbetreiber-Koordinierungskonzept (NKK) für den Datenaustausch zwischen Netzbetreibern.

DA/RE stellt in diesem Kontext eine konkrete technische Umsetzung der „Netzbetreiberkoordination“ dar. Zusätzlich zu dem in Connect+ vorgesehenen Datenaustausch stellt DA/RE darüberhinausgehende Funktionalitäten für die Koordinierung von Redispatch-Maßnahmen zur Verfügung.

Die in Connect+ vorgesehene IT-Lösung für den PVK-Datenaustausch mit den Marktteilnehmern wird an DA/RE angebunden. Somit können auch die Einsatzverantwortlichen von NABEG-Anlagen in den Netzgebieten von DA/RE-Teilnehmern die geplante bundesweit einheitliche Marktteilnehmer-Schnittstelle nutzen.

Funktionsweise

Im DA/RE-Projekt sind für den Datenaustausch zwischen Netzbetreiber und DA/RE-Plattform bereits konkrete Datenaustausch-Prozesse definiert. Es wird hierbei unter anderem zwischen Stammdaten und Bewegungsdaten unterschieden.

Bei der Registrierung meldet der Netzbetreiber einmalig seine Stammdaten an DA/RE. Diese umfassen allgemeine Kontaktdaten, netzbetreiberspezifische Daten, wie zum Beispiel die Regelzone oder Marktrolle, sowie das sogenannte „Netzmodell light“. Dieses stellt eine reduzierte Abbildung des Netzes dar und enthält mindestens die relevanten Übergabepunkte zu vor- und nachgelagerten Netzbetreibern. Weitere Netzbetriebsmittel können freiwillig abgebildet werden, was insbesondere dann ratsam ist, wenn diese potenziell engpassgefährdet sind. Die entsprechende Zuordnung der NABEG-Anlagen zu den Knoten erfolgt im Zuge der Anreicherung der Anlagen-Stammdaten durch den Anschlussnetzbetreiber. Dabei erweitert der Netzbetreiber die initiale Anlagen-Stammdatenmeldung der Einsatzverantwortlichen für die NABEG-Anlagen in seinem Netz um weitere Datenpunkte, wie zum Beispiel den Netzanschlusspunkt.

Die Bewegungsdaten werden regelmäßig zwischen DA/RE und Netzbetreiber ausgetauscht. DA/RE meldet jedem Netzbetreiber in regelmäßigen Abständen die Fahrpläne und Redispatch-Potenziale der NABEG-Anlagen im eigenen Netz. Dazu kommen Daten für die Übergabepunkte zu unterlagerten Netzbetreibern sowie die auf den Übergabepunkt aggregierten Daten der im unterlagerten Netz angeschlossenen NABEG-Anlagen. Diese Daten können von den Netzbetreibern für die Netzsicherheitsbewertung, beispielsweise mit Lastflusssimulationen, verwendet werden.

Der Netzbetreiber meldet bei eigenen Engpässen seine Redispatch-Bedarfe an DA/RE, wo diese über die Spannungsebenen hinweg optimiert behoben werden. Zudem werden sogenannte Flex-Beschränkungen gemeldet. Dabei handelt es sich um freie Leistungsbänder in positive und negative Richtung an den im Netzmodell enthaltenen Netzbetriebsmitteln. Diese Informationen sind wichtig, um Engpässe im eigenen Netz durch Redispatch-Abrufe anderer Netzbetreiber präventiv vermeiden zu können.

Bei von Engpässen betroffenen Netzbetreibern erfolgt im Bedarfsfall das Versenden von Planungsdaten, sprich von Redispatch-Bedarfen und Flex-Beschränkungen, spätestens am Vortag. Um flexibel mit Veränderungen umgehen zu können, ist eine Datenaktualisierung allerdings ständig möglich. DA/RE verarbeitet die asynchron eingehenden Daten viertelstündlich. Sofern keine Engpässe vorliegen, muss keine tägliche Meldung von Redispatch-Planungsdaten erfolgen.

Die BDEW-Branchenlösung für Redispatch 2.0 sieht zwei Sonderfälle vor: Falls sich fluktuierende Erzeugungsanlagen im Prognosemodell befinden, erstellt nicht der Einsatzverantwortliche die Erzeugungsprognosen für diese Anlagen, sondern der (Anschluss-) Netzbetreiber, der diese dann auch an DA/RE meldet. Im sogenannten Duldungsfall ist außerdem der Netzbetreiber dafür zuständig, die NABEG-Anlagen in seinem Netz anzusteuern, auch wenn der Abruf durch einen überlagerten Netzbetreiber ausgelöst wurde. In diesem Fall erhält der Netzbetreiber anstelle des Einsatzverantwortlichen die Aktivierungsdokumente von DA/RE. Als Duldungsfall wird bezeichnet, wenn ein Anlagenbetreiber die durch den anfordernden Netzbetreiber ausgelöste Arbeitspunktveränderung seiner Anlagen (technische Ressourcen bzw. steuerbare Ressourcen) duldet. D. h. der anweisende Netzbetreiber, zumeist der Anschlussnetzbetreiber, steuert die Anlagen. Neben dem Duldungsfall gibt es den Aufforderungsfall. Dieser bezeichnet die Situation, in der der anweisende Netzbetreiber bzw. DA/RE den Einsatzverantwortlichen auffordert, den Arbeitspunkt seiner Anlagen zu verändern. D. h. die Steuerung der Anlagen erfolgt durch EIV und Anlagenbetreiber. Der Aufforderungsfall entspricht dem Vorgehen beim bisherigen Redispatch-Verfahren.

Alle Daten mit DA/RE werden grundsätzlich über XML-Dateien ausgetauscht. Je nach Anbindungsoption gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Dateien im XML-Format zu erzeugen und zu übermitteln.

Die Netzbetreiber können auf vier verschiedene Weisen an die DA/RE Plattform angebunden werden und Daten an DA/RE übermitteln und empfangen – entweder direkt über ein API-Gateway, über den Datenaustausch mittels SFTP oder E-Mail-Adapter oder über eine Web-Benutzeroberfläche (Web-GUI). Im Fall der Web-Benutzeroberfläche ist eine vorherige Erzeugung von XML-Dateien nicht zwingend erforderlich.